Abschied von meinem Bruder 2015-2018 / Teil 8

Liebster Jochen,

1.11.2016

Nun schreibe ich Dir doch noch einen Brief. Vor einem Jahr um diese Zeit warst Du noch da und ich konnte noch mit Dir reden. Von heute aus betrachtet, warst Du zu der Zeit schon auf dem Weg fort von mir und fort von uns. Ich habe gefühlt und gehört, wie es Dich immer mehr in Deine Depressionen gezogen hat, wir haben viel darüber geredet und Du hast angedeutet, dass es Dir an vielen Stellen zu viel wird und Deine Gedanken sich festsetzen. Wie habe ich innerlich um Dich gebangt. Ich habe leider gespürt, was kommt und war so unendlich ohnmächtig. Dieses Gefühl begleitet mich bis heute. Diese furchtbare und endgültige Ohnmacht. Wie oft frage ich mich, ob ich nicht doch etwas hätte tun können und ob ich nicht doch versagt habe. Es tut so weh, immer noch und immer weiter. Der Schmerz verändert sich, aber er ist immer da. Er wird lebbarer, vielleicht, weil ich mich daran gewöhne, weil er bekannt ist und ich ihn manchmal auch ausblenden kann. „Abschied von meinem Bruder 2015-2018 / Teil 8“ weiterlesen